Worte unseres Pastors aus dem aktuellen Gemeindebrief          Ausgabe 4.2022

 

Dich rühmt der Morgen 1. Dich rühmt der Morgen. Leise, verborgen singt die Schöpfung dir, Gott, ihr Lied. Es will erklingen in allen Dingen und in allem, was heute geschieht. Du füllst mit Freude der Erde Weite, gehst zum Geleite an unsrer Seite, bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind. Sonnen erfüllen dir deinen Willen. Sie gehen und preisen mit ihren Kreisen der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind. 2.

 

Du hast das Leben allen gegeben, gib uns heute dein gutes Wort. So geht dein Segen auf unseren Wegen, bis die Sonne sinkt, mit uns fort. Du bist der Anfang, dem wir vertrauen, du bist das Ende, auf das wir schauen. Was immer kommen mag, du bist uns nah. Wir aber gehen, von dir gesehen, in dir geborgen durch Nacht und Morgen und singen ewig dir: Halleluja. Jörg Zink, bekannter Theologe und Publizist, 2016 verstorben, hat 1982 den Text dieses Morgenliedes auf die Melodie eines älteren Gesangbuchliedes aus dem 16. Jahrhundert gedichtet. Und mit den Worten dieses Liedes, gesungen oder gebetet, in einen neuen Tag zu gehen, gibt diesem einen bestimmten Grundton: den der Freude und des Vertrauens, den der Zuversicht, ja, der Gewissheit, dass Gott diesen Tag mitgeht und ihn mit seinem Segen erfüllt.

 

Nach schlechter Nacht, vielleicht erfüllt von dunklen Gedanken und Sorgen, erscheint auch der Morgen manchmal nur dunkel und grau. Oder da lähmt vielleicht schon am Morgen die Fülle der Dinge, die am Tag zu erledigen sind. Da stecke ich in einer persönlich bedrückenden Situation, da gibt es Spannungen in den Beziehungen zu den Menschen um mich herum, da wachsen die Sorgen, welche Auswirkungen die gegenwärtige Weltsituation auf das eigene Leben hat. Viele machen sich jetzt Gedanken, wohin der Weg sie noch führt, wenn die Preise für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs weiter steigen oder wenn im Winter nicht genug Strom oder Wärme ankommt oder diese unbezahlbar geworden sind, weil sie jetzt schon rechnen müssen. Viele Zukunftspläne stehen auf dem Prüfstand. Und wer weiß schon, auf welchem Wege der Krieg beendet oder der Klimawandel mit seinen Folgen begrenzt werden kann.

 

Nein, die Aussichten sind zur Zeit nicht rosig, und da mag sich mancher auch vor jedem neuen Tag fürchten und was er bringt. Und da genügt es auch nicht, nur zu sagen: Es wird schon nicht so schlimm kommen. Es ist ja noch immer gut gegangen. Wir werden das schon schaffen. So einfach ist das nicht. Dies sagen auch die Worte des Morgenliedes nicht. Sie wollen auch nicht alles Dunkle und Bedrückende beiseite schieben. Da wird auch nicht so getan, als wenn dies alles keine Bedeutung hätte. Da heißt es schon: Was auch geschieht … oder: was immer kommen mag… , doch dann auch: Du bist uns nah. Wir sind nicht allein mit allem. Dies bringt die Wende. Wir werden gesehen, wir werden gehört.

 

Wir werden begleitet: Du bist der Anfang, dem wir vertrauen, du bist das Ende, auf das wir schauen. Wir aber gehen, von dir gesehen, in dir geborgen durch Nacht und Morgen. Die Worte dieses Liedes mögen helfen, durch diese Zeit zu kommen, Gelassenheit zu bewahren und Freude und Hoffnung zu schöpfen.

Ihr Pastor Hartmuth Reincke